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Fit für Übermorgen

Die neuen Medien sorgen vor allem in der Aus- und Weiterbildung für frischen Wind: Wie sich die Lehr- und Lernprozesse auch in der Friseurbranche ändern werden, zeigt das Beispiel einer neuen Software für Haarschneidetechnik.

Rene Krombholz hat sich mit dem virtuellen Programm „LEVELCUT“ des Friseurunternehmers Hermann Wiezorek einmal ganz real auseinandergesetzt.

Um es vorwegzunehmen: Idee, Konzept und Umsetzung der Software sind gut, haben meiner Meinung nach auch Zukunft. LEVELCUT wird wohl niemals die Haarschneidetechnik revolutionieren, wie es an anderer Stelle zu lesen war, wohl aber die Lehr- und Lernprozesse hierzu. Das Programm erklärt hervorragend eine Schneidetechnik, welche stark an das Konzept von Vidal Sassoons angelehnt ist. Es ist aus der Praxis heraus entwickelt, nicht umgekehrt, sagt Hermann Wiezorek. Jeder Friseur weiß, dass die Sassoon Technik der Graduation mit Schnittlinien und Schnittwinkeln System hat und daher auch gut zu lehren ist. Genau aus dieser Erkenntnis heraus resultiert LEVELCUT.

DIE VERHALTENSWEISE DES HAARES WIRD NACHVOLLZIEHBAR

In der Praxis sieht das so aus: Der Computerbildschirm zeigt das Profil eines Kopfes, wahlweise Vorder- oder Seitenansicht. Dieses Profil ist mit Kontrollpunkten versehen, die mit Buchstaben gekennzeichnet sind. Den jeweiligen Buchstaben werden über ein Menü die bei der Kundin berücksichtigten Haarlängen des betreffenden Punktes zu gewiesen. Hieraus erstellt der Computer in Sekunden eine schematische Zeichnung, wie sie auch aus Lehrbüchern bekannt ist. Bei dieser Zeichnung sind die Schnittlinien ersichtlich, das heißt, die Haare sind entsprechend der gezogenen Richtung abgewinkelt. Ein Mausklick – und schon fallen diese in die entsprechenden Proportionen. Volumen und Fall der Haare sind per Bildschirm nachvollziehbar. Nun wird der Kritiker einwenden, jeder Kopf, jedes Haar sei anders. Stimmt, aber auch dies kann am PC nachvollzogen werden. Die Haarstärke kann von stark bis lasch stufenlos variiert werden, das Programm setzt diese Eigenschaft um, was auch für welliges und krauses Haar gilt.

BASIS FÜR WEITERE TECHNIKEN

Am Bildschirm können mit dem Mauszeiger die Schnittlinien „angefasst, in verschiedene Richtungen gezogen und die Haarlänge dann am Schnittpunkt gekürzt (oder auch wieder verlängert) werden“; ideal, um eine „Was-wäre-wenn“-Analyse zu erstellen, aber ebenso ideal, um Vorgänge für Lehrzwecke verständlicher zu machen. So wird ein Haarschneidesystem leicht nachvollziehbar, was natürlich nur für Systeme der Graduation Gültigkeit besitzt. Ein Messerhaarschnitt beispielsweise dürfte in dieser Art nicht zu lehren sein, was den Wert des Programms mindert. Hier geht es um grundsätzliches Verstehen von Schnitt, Fall und Proportionen. Wer dies versteht und in die Praxis umsetzten kann, der kann sich mit dieser Wissensgrundlage auch andere Techniken schneller nutzbar machen.

LEVELCUT ERMÖGLICHT GÜNSTIGE PREISE

Hier sehe ich den eigentlichen Wert und Nutzen von LEVELCUT: Lernen, effektiver zu gestalten, Lehrinhalte schneller zu vermitteln und nutzbar zu machen. In Kleve hat der Software-Entwickler Hermann Wiezorek vier Friseurgeschäfte. Alle haben eines gemeinsam: Hier arbeiten durchweg sehr junge Leute. Mit dem Konzept von LEVELCUT sind bereits Auszubildende im zweiten Lehrjahr in der Lage, einen fachlich einwandfreien Haarschnitt in die Praxis umzusetzen. Dies ist in den Salons der Firma Wiezorek gängige Praxis. Die Kostenersparnis hierdurch ist enorm. Betragen die Personalkosten doch mittlerweile 45% der Gesamtkosten. Das ermöglicht auch eine andere Kalkulation der Preise. So kann Hermann Wiezorek seine Leistung am unteren Ende der Preisskala positionieren und erzielt trotzdem noch Gewinn. Die Kunden freut es, sie kommen in Scharen. Laut eigener Aussage registrierte er 300 Neukunden pro Monat – nicht wegen, sondern durch LEVELCUT. Die Salons Wiezorek sind in Kleve bekannt, die Software LEVELCUT nicht. Die Kunden/innen kommen der günstigen Preise wegen in den Salon. Diese Preise werden aber erst durch das Konzept von LEVELCUT möglich.

GLEICHBLEIBENDE DIENSTLEISTUNGSQUALITÄT

Noch eines freut den/die Verbraucher/in: die gleich bleibende Qualität der Dienstleistungen. Alle Mitarbeiter sind auf dem gleichen Niveau geschult, jeder ist in der Lage, jeden Haarschnitt zu fertigen. Auf Wunsch bekommen die Salonkunden eine Haarschneidepass. Für rund 50 Mark wird dieser individuell erstellt und der Kundin per Post zugesandt. Enthalten sind die am Computer erstellten Zeichnungen sowie nach dem Schnitt aufgenommene Fotos, welche die Frisur im Detail zeigen. Empfehlungen zur Pflege und Coloration sind ebenfalls enthalten, was dem Zusatzgeschäft entgegenkommt. Jede/r erfahrene Friseur/in dürfte anhand dieses Passes den Haarschnitt nachvollziehen können, bei mit LEVELCUT geschulten Fachkräften hat die Kundin natürlich eine besondere Garantie hierfür. Für den der LEVELCUT in sein Salonkonzept integrieren kann ist es eine lohnenswerte Investition. Ziel ist es die Software noch didaktisch aufzubereiten und dann eine höhere Auflage zu produzieren. Diese CD soll dann zu einem Preis von unter 200,- Mark auf den Markt kommen. Spätestens dann sollte LEVELCUT in keinem Ausbildungsbetrieb mehr fehlen.